Leiterplatten als Erzählmedium: Neue Ansätze für Design und Fertigung
Auf der Hackaday Europe 2026 hat Katrin Dietzsch nach Angaben von Hackaday einen Leiterplattenansatz vorgestellt, der die übliche Priorität der elektrischen Funktion aufbricht.

Die Platine dient als erzählerisches Werkzeug für Tabletop-Rollenspiele, integriert Sensorik und Aktorik direkt in die Außenlagen und nutzt Kupferführung, Lötstopplack und Silkscreen als gestalterische Mittel. Für die industrielle Fertigung in Deutschland ist der Vortrag insofern relevant, als er gezielt Fertigungsmerkmale adressiert, die im Serienbau sonst untergeordnet behandelt werden – und damit Aufschluss über die Bandbreite aktueller PCB-Fertigungskapazitäten bei kleinen Stückzahlen gibt.
Sensorik als Lagenbestandteil
Dietzsch setzt nach den vorliegenden Informationen kapazitive Touch-Sensorik ein, um das aus TTRPG-Kontexten bekannte Konzept der „Attunement" umzusetzen – ein Objekt wird erst durch physischen Kontakt funktional. Aus fertigungstechnischer Sicht bedeutet das: zusätzliche, oft großflächige Pads, gefräste Aussparungen oder ITO-ähnliche Flächen auf der Außenlage. Die Abstimmung erfolgt zwischen elektrischer Funktion, mechanischer Berührungsfläche und optischer Wirkung. Der Prüfingenieur sieht sich damit Sensorflächen gegenüber, deren Spezifikation nicht aus einem Datenblatt stammt, sondern aus der Spielmechanik. Eine Sichtprüfung muss hier sowohl elektrische Kontinuität als auch haptische Eignung dokumentieren.
RF, IR und Firmware als Spielkomponenten
Der Talk verweist weiterhin auf RF für proximity-basierte Auslöser sowie auf IR-Lichtschranken, Motoren und konventionelle Schalter als weitere Interaktionskanäle. Die Antennenstruktur für die proximity detection ist nach den gezeigten Beispielen nicht als optimierte 50-Ω-Leitung ausgelegt, sondern als gestaltbares Element in Kupferlage und Lötstopplack. Die elektrische Spezifikation tritt hinter der Wahrnehmbarkeit im Spiel zurück. Auf Code-Ebene hält Dietzsch nach den vorliegenden Ausführungen Easter Eggs und nicht-deterministisches Verhalten vor. Für die Warenausgangsprüfung folgt daraus: Das Verhalten am Labortisch ist nicht durch Einzelmesswerte vollständig zu erfassen. Prüfszenarien ersetzen klassische Stückprüfungen, ein Umstand, der in der Serienfertigung unüblich ist.
Der D20 als Fertigungsprüfling
Als konkretes Referenzobjekt dient ein D20-PCB. Aus Sicht der Fertigung sind mehrere Merkmale prüfrelevant. Die Lötstopplackfarbe wird gestalterisch eingesetzt, die Kupferführung folgt der Würfelgeometrie statt elektrischer Optimierung, und der Silkscreen trägt narrative Information statt Bauteilkennzeichnung. Gleichmäßiger Lötstopplackauftrag über stark wechselnde Kupferflächen, saubere Außenkonturgeometrie und reproduzierbare Farbgebung über Produktionschargen hinweg werden damit zu dokumentierenden Qualitätsmerkmalen. Die nach Angaben des Quellartikels von Dietzsch betonte Praxisnutzung – die Platine wird im Spielbetrieb erwartungsgemäß mehrfach umfasst, bestromt und bewegt – impliziert zusätzliche mechanische und klimatische Beanspruchung. Funktionstests müssen diesen erweiterten Lastfall abdecken, etwa über zyklische Biege- und Temperaturprüfungen, die bei Standard-Boards entfallen.
Für Leiterplattenhersteller und Prüflabore bleibt festzuhalten: Die im Talk gezeigten Aufbauten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Funktionsmuster und Kleinserie. Wer solche Designs fertigen oder auditieren will, muss Lötstopplackprozesse, Außenkonturbearbeitung und Sensorkennlinien außerhalb der üblichen Normreihe bewerten können.