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Qualitätssicherung bei Leiterplatten: IPC-A-600M korrekt anwenden

Kyptec Automation® baut nach einer Meldung von Business Standard sein Portfolio im Bereich Machine Vision und industrielle Automatisierung für OEMs und Systemintegratoren weiter aus.

Qualitätssicherung bei Leiterplatten: IPC-A-600M korrekt anwenden

Parallel dazu erinnert ein aktueller Beitrag auf Global Sources daran, wie wir die Sichtprüfung unbestückter Leiterplatten mit dem IPC-A-600-Standard sinnvoll absichern können. Beide Meldungen treffen sich an einem Punkt, der uns im Layout-Alltag immer wieder begegnet: Was zählt eigentlich als „gut genug" – und nach welcher Revision beurteilen wir das eigentlich?

Revision nicht automatisch aktualisieren

Die aktuell gültige Ausgabe des Standards ist nach IPC-Angaben IPC-A-600M, die im Mai 2025 veröffentlicht wurde. Das heißt für uns aber nicht, dass wir laufende Projekte automatisch auf diese neue Revision umstellen dürfen. Maßgeblich ist die Revision, die im Lastenheft, auf der Zeichnung oder im freigegebenen Qualitätssicherungsplan für das jeweilige Los festgeschrieben ist.

In der Praxis hilft es enorm, die exakte Revisionsbezeichnung in den Fertigungsunterlagen und im Wareneingang festzuhalten. So beurteilen Fertigung, Wareneingang, Engineering und Lieferantenqualität dasselbe Los gegen eine gemeinsame Baseline. Wird ein bestehendes Produkt auf eine neue Revision umgestellt, gehen wir die geänderten Anforderungen, betroffenen Merkmale und Prüfanweisungen am besten gemeinsam mit dem Kunden Schritt für Schritt durch – statt sie isoliert zu interpretieren.

Klasse bewusst wählen – nicht aus dem Bauch

Die Wahl zwischen Klasse 1, 2 und 3 wird im Arbeitsalltag gerne vereinfacht. Der Beitrag auf Global Sources verweist darauf, dass Klasse 2 für Dedicated-Service-Elektronik steht und Klasse 3 für Anwendungen mit erhöhten Anforderungen an die Betriebszuverlässigkeit. Entscheidend ist aber: Die passende Klasse gehört vom Kunden, vom zuständigen Engineering oder vertraglich festgelegt – nicht aus dem Marktumfeld oder einem Produktlabel abgeleitet.

Gerade bei Programmen, die Automotive-, Industrie-, Medizin- oder Kommunikationshardware umspannen, sollten wir die Klasse vor der Produktionsfreigabe explizit machen. Es geht nicht darum, reflexartig die strengste Klasse zu wählen, sondern die Klasse bewusst auf den tatsächlichen Bedarf des Produkts abzustimmen. Eine pauschale „Wir sind ohnehin Automotive, also Klasse 3"-Logik führt schnell zu Mehraufwand in der Fertigung und höheren Einkaufskosten, ohne dass die Zuverlässigkeit im Feld davon profitiert.

Wenn das Auge der Kamera unseren Blick ergänzt

Die Meldung über das erweiterte Machine-Vision-Portfolio von Kyptec Automation® berührt ein Thema, das uns auch bei der Bewertung unbestückter Leiterplatten nicht fremd ist: automatisierte optische Prüfung. Damit solche Systeme in unserer Lieferkette tatsächlich einen Mehrwert bringen, müssen wir jedoch dieselbe Sprache sprechen wie unsere Lieferanten – und die beginnt mit der korrekt dokumentierten Revision, der bewusst gewählten Klasse und der expliziten Zuordnung, welche Merkmale IPC-A-600 im jeweiligen Los überhaupt abdecken soll. Wer hier vor der Freigabe sauber dokumentiert, erspart sich hinterher Diskussionen, die weder die Fertigung noch der Einkauf gewinnen können.