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Neues PCB-Zertifikat von Siemens und ASU: Was Ingenieure wirklich wissen müssen

Siemens und die Arizona State University (ASU) starten nach Angaben von All About Circuits ein gemeinsames Online-Zertifikatsprogramm für PCB-Design.

Neues PCB-Zertifikat von Siemens und ASU: Was Ingenieure wirklich wissen müssen

Für Prüfingenieure und Layout-Verantwortliche in der industriellen Leiterplattenfertigung ist weniger das Zertifikat selbst entscheidend als die Frage, welche Tool-Ketten, Stack-up-Vorgaben und Verifikationspfade der Kurs tatsächlich vermittelt.

Datenlage und Curriculum

Die Quellenlage ist dünn. Außer der Headline-Meldung von All About Circuits liegen ausschließlich Snippets vor. Belastbare Aussagen zu Dauer, ECTS-Punkten, Teilnahmegebühren, zu den konkret geschulten EDA-Werkzeugen aus Siemens Digital Industries oder zu den Stack-up-Vorgaben für HDI, starr-flexible Aufbauten und Embedded-Komponenten lassen sich aus den verfügbaren Quellen nicht ableiten. Wer das Programm bewerten will, muss diese Eckdaten direkt beim Anbieter verifizieren. Ein Zertifikat ohne reproduzierbare Prüfungsinhalte ist ein Marketing-Signal, kein Nachweis von Fertigungskompetenz.

Kontext: KI-Agenten in der Verifikationskette

Parallel berichtet EE Times, dass Siemens EDA gemeinsam mit NVIDIA an domänenspezifischen KI-Agenten arbeitet, die komplexe Workflows im Chip- und Leiterplattendesign eigenständig ausführen und verifizieren sollen. Finance Biggo greift das unter dem Titel "Verification and Fixes While Engineers Sleep" auf. Für die Multilayer-Architektur entscheidend bleibt die Verifikationskette: DRC, LVS, Signal- und Power-Integrity-Simulation, thermische Analyse auf Board-Ebene. Solange diese Agenten keine nachvollziehbaren Messprotokolle und Querschliffe ersetzen, bleibt der forensische Blick auf Tg-Wert, Dielektrizitätskonstante, Z-Achsen-CTE-Mismatch und CAF-Wachstum Aufgabe des Prüflabors. Genau diese Schnittstelle zwischen automatisiertem Workflow und physikalischem Beleg ist der Punkt, an dem ein Schulungsprogramm belastbar werden muss.

Auswahlkriterien für die Praxis

Ein Zertifikatsprogramm steht und fällt mit dem praktischen Anteil. Prüfungsrelevant sind Antworten auf folgende Punkte: Welche Software-Version wird geschult? Erfolgt die Ausbildung an Constraint-Sets für HDI, starr-flexible Aufbauten oder Embedded-Komponenten? Wird Impedanzkontrolle mit Streifenleitung, Mikrovias und differentieller TDR-Verifikation praktisch geübt? Wie ist das Verhältnis von Labormodulen zu reiner Tool-Demonstration? Parallel dazu thematisiert Control Design die Grundsatzfrage, wann eine kundenspezifische Leiterplatte für Steuerungsaufgaben überhaupt sinnvoll ist. In diesem Rahmen muss jedes Schulungsangebot seinen Mehrwert zeigen — nicht im Theorem, sondern in der belastbaren Fertigungsentscheidung gegen Standardleiterplatte.