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KI-Boom löst massive Materialknappheit bei Leiterplatten aus

Würth Elektronik meldet einen weltweiten Engpass bei Basismaterialien für Leiterplatten.

KI-Boom löst massive Materialknappheit bei Leiterplatten aus

Als Ursache benennt das Unternehmen den massiven Ausbau von KI-Rechenzentren und Hochleistungsrechnern. Die Konsequenz: Die Kapazitäten für klassische Industrie- und Automotive-Anwendungen sinken messbar.

Wo der Druck entsteht

KI-Serverplatinen benötigen einen um den Faktor drei bis fünf höheren Layer Count als herkömmliche Baugruppen. Daraus folgt ein proportional erhöhter Bedarf an hochwertigen Laminaten entlang der gesamten Stack-up-Architektur. Konkret verknappen kupferkaschierte Laminate (CCL), Kupferfolien, Prepregs – insbesondere PP1080 und PP2116 – sowie Spezialharze. Wolframkarbid für Bohrer und Fräser steht zusätzlich unter Versorgungsdruck. Bei Glasgewebe rechnen Branchenexperten erst ab 2028 mit einer spürbaren Entspannung. Die Nachfrage nach Basismaterialien bleibt nach dieser Einschätzung bis mindestens Ende 2026 auf sehr hohem Niveau beziehungsweise steigt weiter.

Die unmittelbaren Effekte auf die Beschaffung sind physikalisch nachvollziehbar: steigende Preise, längere Lieferzeiten, eingeschränkte Preisvorhersehbarkeit und eine zunehmende Kontingentierung. Die Flexibilität bei kurzfristigen Bedarfsänderungen sinkt, da Produktionskapazitäten vieler Hersteller bereits langfristig vergeben sind. Aus einem frei verfügbaren Materialmarkt wird de facto eine Allokationswirtschaft.

Kennzahlen aus der EMS-Branche

Die aktuelle EMS-Scout-Umfrage unter 136 deutschen EMS-Dienstleistern zeigt zur Jahresmitte 2026 ein gespaltenes Bild. 43 Prozent der Befragten erzielten im ersten Halbjahr 2026 einen niedrigeren Umsatz als im Vorjahreszeitraum. Gegenüber der vorherigen Erhebung ist das eine Verschiebung zum Positiven: 2025 lag dieser Anteil noch bei 61 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Unternehmen mit Umsätzen über Vorjahresniveau von 24 auf 37 Prozent. 74 Prozent der Befragten erwarten für 2027 wieder Wachstum.

Die Auslastung bleibt jedoch schwach: 43 der 136 Unternehmen melden eine Produktionsauslastung von weniger als 70 Prozent. 37 Unternehmen verfügen lediglich über einen Auftragsbestand von maximal 150 Tagen. 33 Prozent gehen davon aus, ihr Umsatzziel für 2026 zu verfehlen. Die Spreizung innerhalb der Branche nimmt zu – selbst Unternehmen mit vergleichbaren Zielmärkten entwickeln sich deutlich unterschiedlich.

Prüftechnische Konsequenz

Unternehmen ohne langfristige Lieferantenbeziehungen, belastbare Forecasts oder qualifizierte Materialalternativen riskieren höhere Kosten und im Extremfall einen kompletten Lieferstopp. Versorgungssicherheit wird damit zum messbaren Wettbewerbsfaktor. Wer jetzt keine qualifizierten Alternativlaminate mit dokumentiertem Tg-Profil, definiertem Z-Achsen-CTE und nachgewiesenem CAF-Wachstumsverhalten in der Freigabe hat, verliert die Kontrolle über die Zuverlässigkeit seiner Baugruppe.

Was bleibt zu beobachten: die tatsächliche Verfügbarkeit von PP1080 und PP2116 in der jeweiligen Tg-Klasse, die Preisentwicklung bei CCL sowie der Zeitpunkt, an dem Glasgewebe-Kapazitäten spürbar hochgefahren werden. Allokationsmodelle werden Lieferantenbeziehungen mit nachgewiesener Materialhistorie und vollständigen Messprotokollen bevorzugen.