Wie der KI-Boom zu weltweiten Engpässen bei Leiterplatten-Materialien führt
Wie I-Connect007 unter Berufung auf Würth Elektronik und STARTEAM GLOBAL meldet, zeichnen sich bei kupferkaschierten Laminaten, Kupferfolien, Prepregs, Hochleistungsharzen und Wolframcarbid für Bohr…

Knappe Materialliste, volle Auftragsbücher
Der KI-Boom treibt die Nachfrage nach Hochleistungs-Leiterplatten in ungeahnte Höhen — und mit ihr den Verbrauch fortschrittlicher Basismaterialien. Wie I-Connect007 unter Berufung auf Würth Elektronik und STARTEAM GLOBAL meldet, zeichnen sich bei kupferkaschierten Laminaten, Kupferfolien, Prepregs, Hochleistungsharzen und Wolframcarbid für Bohr- und Fräswerkzeuge weltweit zunehmende Versorgungsengpässe ab. Die klare Botschaft der beiden Hersteller: Der Markt verlasse die Phase reiner Verfügbarkeit und bewege sich auf eine allokationsgetriebene Logik zu.
Was das für deutsche Bestücker und Einkäufer bedeutet, ist kein amerikanisches Randthema, sondern akuter Handlungsdruck. AI-Server-PCBs benötigen drei- bis fünfmal mehr Lagen als konventionelle Designs, der Materialdurchsatz pro Platine schnellt entsprechend nach oben. Branchenkenner rechnen laut I-Connect007 beim Glasfasergewebe — dem Rückgrat jedes Prepregs, insbesondere der gängigen Typen PP1080 und PP2116 — nicht vor 2028 mit spürbarer Entspannung.
Zwischen Managerversprechen und Fabrikrealität
Die Statements der beiden Manager — Manuel Mairhofer aus dem Vorstand der Würth Elektronik und Daniel Jacob, CEO von STARTEAM GLOBAL — lesen sich wie das übliche Krisen-Wellness-Programm: "frühzeitige Beschaffungsstrategien", "genaue Bedarfsprognosen", "stabilere Bestellmuster", "Qualifizierung alternativer Materialien", "engere Zusammenarbeit in der Lieferkette". Schön formuliert. Im Kern heißt das: Wer keine langfristigen Lieferverträge hat, keine validierten Alternativen qualifiziert hat und seine Forecasts nicht gerade prophetisch sicher liefert, wird in der Allokation als Erster fallen — und als Letzter beliefert.
Die Frage, die sich jeder Einkaufsleiter stellen muss: Sitzt mein Materialstamm aktuell auf einem Lieferanten, der mir in einer Knappheitsphase tatsächlich bedient? Oder laufe ich Gefahr, zwischen Mengen-Zusagen von gestern und der Realität von morgen zerrieben zu werden? Die Hersteller betonen es selbst — Versorgungssicherheit ist zum Wettbewerbsvorteil geworden. Wer jetzt keine LTAs abschließt, kauft später zum Allokationspreis, nicht zum Marktpreis.
Der Kupferpreis schreibt eine zweite Geschichte
Ein Blick nach China relativiert die Hektik — zumindest teilweise. Einer aktuellen SMM-Erhebung zufolge ist die Betriebsrate der chinesischen Draht- und Kabelindustrie im Juli 2026 auf 69,82 % gefallen; hohe Kupferpreise und die saisonale Flaute drücken die Nachfrage im vorgelagerten Materialmarkt. Kupferfolien bleiben zwar knapp, doch der Preis steht bereits auf hohem Niveau — Preissprünge nach oben sind hier wahrscheinlicher als ein plötzlicher Einbruch. Was den PCB-Einkäufer tröstet: Die Kupferkosten sind eingepreist, das Schlimmste liegt nicht mehr vor der Tür, sondern im Forecast.
Parallel dazu diskutieren Branchenexperten, so ein aktueller Hinweis bei EMSNow, über die Einrichtung eines globalen Electronics Policy Council, um Handelshemmnisse abzubauen und die Resilienz gegen geopolitische Spannungen und Zölle zu stärken. Ein politisches Gremium ändert allerdings keine Lieferzeiten. Was bleibt, ist der eigene Vertrag, der eigene Forecast, die eigene qualifizierte zweite Quelle. Die FED-Konferenz 2026, die in der Branche für Anfang des nächsten Quartals auf der Agenda steht, dürfte genau dieses Thema auf die Tagesordnung setzen — aber Lösungen werden in den Werkshallen und Einkaufsabteilungen gemacht, nicht auf Podien.