EMS-Markt im Wandel: Wie Halbleiterboom und KI die Leiterplattenfertigung verändern
Nach Analyse von MarketsandMarkets verzeichnet der globale Markt für Electronics Manufacturing Services (EMS) ein signifikantes Wachstum.

Halbleiterboom verschärft Anforderungen an Leiterplattenfertigung
Treiber sind steigende Halbleiternachfrage, komplexe Leiterplattenbaugruppen (PCBA) und KI-Infrastruktur. EMS-Dienstleister weiten Fertigungs- und Testkapazitäten aus. Für Leiterplattenhersteller und Bestücker ist die Konsequenz direkt messbar: höhere Bauteiledichte, kleinere Strukturen, engere Toleranzfenster.
Die Datenlage: Halbleiterintegration nimmt in Consumer-Elektronik, Automotive mit EV, ADAS und autonomen Fahrfunktionen, Medizintechnik, Telekommunikation und Industrieautomatisierung zu. OEMs verlagern Halbleiterbeschaffung, PCBA, Test, Komponentenintegration und Endmontage zunehmend an EMS-Partner. MarketsandMarkets bilanziert steigende Komponentendichte, höhere Zuverlässigkeitsanforderungen und kürzere Produktzyklen. Industry-4.0-Investitionen in Automation, Robotik, KI-gestützte Qualitätskontrolle und Advanced Analytics verstärken den Druck auf die gesamte Lieferkette – inklusive der vorgelagerten Leiterplattenfertigung.
Microvia-Technologie als Schlüsselindikator
Parallel verschiebt Gatema PCB einen relevanten Fertigungsparameter: Serienfertigung von Microvias bis 50 µm Durchmesser ist erreicht. Damit verschärft sich die Bewertung aktueller HDI-Leiterplatten und IC-Substrate für hochpolige Bauelemente. Kleinere Vias bedeuten höhere Verdrahtungsdichte pro Flächeneinheit – bei veränderten physikalischen Randbedingungen: dünnere Kupferschichten in der Lochwand, verändertes Aspektverhältnis, reduzierte Wärmeableitung pro Via.
Konsequenzen für die Prozessbeherrschung: Kupfergalvanik in der Via-Wand muss das geforderte Aspektverhältnis nachweisen. Der CAF-Wachstum (Conductive Anodic Filament) steigt mit sinkendem Via-Abstand; Thermozyklen-Ergebnisse werden zum Pflichtnachweis. Mess- und Inspektionsverfahren müssen AOI-Auflösung und Röntgenprüfung auf 50-µm-Geometrien auslegen. Pad-Geometrie und Lötbarkeit sind an die reduzierte Via-Anbindung anzupassen. Dielektrizitätskonstante und Tg-Wert des Substrats bestimmen die Z-Achsen-CTE und damit die Zuverlässigkeit unter Temperaturwechsel.
Prüfpunkte für Beschaffung und Lieferantenqualifikation
Vor Auftragsvergabe: Via-Konzept im Layout (Stagger, Stack, Skip) definieren und mit dem Leiterplattenhersteller abgleichen. Dielektrizitätskonstante des Substrats bestätigen lassen, Tg-Wert und Z-Achsen-CTE explizit spezifizieren. Qualifikationsdaten für 50-µm-Microvias vom Lieferanten einfordern – inklusive Querschliffen, Thermozyklen-Ergebnissen und statistischer Auswertung der Via-Positioniergenauigkeit. Lieferanten ohne dokumentierte 50-µm-Prozessbeherrschung liefern unter den neuen EMS-Marktbedingungen nicht mehr wettbewerbsfähig. Der Marktdruck ist dokumentiert. Die physikalischen Grenzwerte der Fertigung entscheiden über Liefertreue und Feldausfälle.