„China Plus One“ für HMLV-Leiterplatten: Die harte Realität der Fertigungskette
in den letzten Monaten Aufträge für High-Mix, Low-Volume-Leiterplatten in Europa vergeben hat, kennt das Kloßgefühl: Printed Circuit Design & Fab rechnet in einem neuen Beitrag mit der „China Plus…

in den letzten Monaten Aufträge für High-Mix, Low-Volume-Leiterplatten in Europa vergeben hat, kennt das Kloßgefühl: Printed Circuit Design & Fab rechnet in einem neuen Beitrag mit der „China Plus One"-Strategie ab – also dem Trend, die Fertigung zusätzlich außerhalb Chinas aufzubauen. Parallel meldet Moneycontrol, dass sich die Engpässe bei Leiterplatten-Rohstoffen weiter zuspitzen. Für uns als Layout-Entwickler:innen ist das kein fernes Marktgespräch, sondern betrifft direkt, wie wir künftig Footprint, Bestückungsdruck und Lieferantenkommunikation auslegen.
Die unbequeme Wahrheit hinter „China Plus One"
Wer auf der Suche nach Backup-Fertigern war, hat vermutlich dieselbe Erfahrung gemacht wie viele Kolleg:innen: Die Lieferzeiten, die der Einkauf uns versprochen hat, halten im realen Alltag oft nicht stand. Gerade bei kleinen Stückzahlen und vielen Varianten – also genau dem HMLV-Segment, in dem wir uns bewegen – zeigt sich laut dem Beitrag aus der PCDF&F-Redaktion, dass eine Verlagerung nicht automatisch die erhoffte Resilienz bringt. Lokale CAM-Abteilungen kennen unsere Normen und Designregeln nicht in derselben Tiefe, und jede Umstellung kostet zunächst Qualität und Zeit, bevor sie Kosten spart. Mit anderen Worten: Das Backup ist kein Selbstläufer, sondern ein Layout-Thema.
Rohstoffe als zusätzlicher Bremsklotz
Gleichzeitig warnt die Elektronikbranche – wie Moneycontrol berichtet – vor einer sich verschärfenden Verknappung bei Basismaterialien. Für unsere tägliche Arbeit heißt das: Beim Stackup- und Footprint-Review lohnt sich wieder ein genauerer Blick. Welche Laminate sind aktuell wirklich lieferbar? Welche Hersteller reagieren mit verlängerten Lieferzeiten, und wo wird das Sortiment bereits eingedampft? Eine schmale, gepflegte Liste der bei uns freigegebenen Materialien – inklusive Tg-Klasse und Zertifizierung – bewahrt uns davor, im DFM-Review überrascht zu werden.
Worauf wir im nächsten Review achten
Bevor der nächste Auftrag in die Fertigung geht, lohnt sich ein kurzer Blick auf drei Punkte: Erstens, ob der gewählte Fertiger unser Material in der geforderten Klasse überhaupt führen kann. Zweitens, ob unser Footprint-Set zu den Bestückungslinien des Backup-Fertigers passt – gerade bei Feinpitch-Bauteilen ein Klassiker. Drittens, ob wir bei Lötstopplack-Fenstern und Bestückungsdruck schon so tolerant designt haben, dass ein Linienwechsel keine komplette Neuauflage der Datenfreigabe nach sich zieht. Wenn Sie beim Routing auf diese Punkte achten, gewinnen wir gemeinsam die Flexibilität zurück, die uns der Markt gerade Stück für Stück abverlangt.