Leiterplatten-Anschlussklemmen: Beste Typen nach Einsatzzweck
Wenn der Footprint im CAD steht, die Polzahl geklärt ist und die Bestückung läuft, fühlt sich die Klemme nach einer simplen Stücklistenposition an. Bis zur ersten Inbetriebnahme oder bis zur Vibrationsprüfung.

Genau dort entscheidet sich, ob die Leiterplatten-Anschlussklemme nur eine Komponente war — oder eine Designentscheidung, die wir besser früher getroffen hätten.
In der Layout-Praxis sehe ich denselben Fehler mit schöner Regelmäßigkeit: Die Klemme wird nach Datenblatt-Stromwert und Rastermaß ausgewählt, aber Anschlusstechnik, Montageverfahren und normativer Rahmen bleiben unterbelichtet. Wenn dann der Prüfingenieur nach der Use Group fragt oder der Bestücker meldet, dass die THR-Variante das Reflow-Profil nicht überlebt, wird das Thema sehr konkret. Schauen wir uns deshalb Schritt für Schritt an, wie wir die Anschlussklemme so wählen, dass sie nicht nur in den Schaltplan, sondern auch in das Layout, die Fertigung und den späteren Servicefall passt.
Eine Anschlussklemme ist keine Stückliste — sie ist die Schnittstelle zwischen Leiterplatte, Kabelbaum und Norm.
Anschlusstechnologien im Vergleich: Von Schraubklemmen bis Push-in
Die Auswahl der Anschlusstechnik ist die erste und meistens die wichtigste Entscheidung. Wir haben heute im Wesentlichen fünf Familien im Programm, die sich in Bedienung, Vibrationsverhalten und Leiterquerschnitten deutlich unterscheiden.
Schraubanschluss — der Klassiker mit Zugbügel oder Drahtschutz. Der Leiter wird mit einer Schraube gegen die Stromschiene geklemmt, was sehr hohe Klemmkräfte ergibt, die auch bei großen Leiterquerschnitten und hohen Strömen zuverlässig halten. Der Nachteil liegt auf der Hand: Wir brauchen ein Werkzeug, und unter Vibrationsbelastung — etwa in Antrieben oder Schaltschränken neben Motoren — kann eine Schraubverbindung mit der Zeit nachgeben. Bei Rastermaßen ab 5,0 mm und Strömen oberhalb von 50 A ist die Schraubklemme aber oft die einzige wirtschaftliche Option, die normativ sauber durchgereicht werden kann.
Push-in-Federanschluss — der Leiter wird werkzeuglos direkt in eine Feder eingelegt. Starre Leiter und Aderendhülsen gleiten ohne Betätigungsdruck hinein, feindrähtige Leiter brauchen einen Druckknopf oder Schraubendreher zum Öffnen. In der Verdrahtung sind wir damit laut Praxiswerten bis zu 70 % schneller als mit der Schraubklemme, und die Vibrationsfestigkeit bleibt dauerhaft hoch, weil die Feder konstant nachsetzt. Das ist meine bevorzugte Wahl, wenn der Bestücker nicht selbst schrauben will und der Servicefall häufig ist.
Zugfederanschluss — technisch verwandt mit Push-in, allerdings wird die Feder über eine Schraube oder einen Schieber gespannt. Der Leiter wird eingelegt und die Feder durch Werkzeugbetätigung geschlossen. Das ergibt eine sehr hohe Kontaktsicherheit, kostet aber Werkzeugzeit und ist im Feld nicht so komfortabel wie Push-in.
IDC (Insulation Displacement Connection) — der Leiter wird durch die Isolierung hindurch kontaktiert. Das vorherige Abisolieren entfällt komplett, was die Montagezeit drastisch verkürzt. IDC-Klemmen finden wir vor allem in Reihenklemmen für mehradrige Flachband- oder Steuerleitungen, weniger im klassischen Anschlussklemmen-Bereich der Leiterplatte.
SKEDD-Direktstecktechnik — eine in den letzten Jahren gereifte Option. Der Steckverbinder wird ohne Löten und ohne separates Grundgehäuse direkt in durchkontaktierte Bohrungen der Leiterplatte gesteckt. Das ist werkzeuglos, lötfrei und reversibel, allerdings auf etwa 25 Steckzyklen begrenzt — also nichts für häufiges Umstecken, aber eine elegante Lösung für modulare Schnittstellen, bei denen wir ein Gehäuse einsparen wollen.
| Anschlusstechnik | Werkzeuglos | Vibrationsfestigkeit | Leiterquerschnitt (typisch) | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Schraubanschluss | Nein | Mittel (bei Bedarf nachziehen) | 0,14–95 mm² | Schaltschrank, Hochstrom, Feldverkabelung |
| Push-in-Feder | Ja (starr/Aderendhülse) | Hoch | 0,14–10 mm² | Steuerungen, I/O-Klemmen, Serviceklemmen |
| Zugfeder | Nein (Betätigung) | Sehr hoch | 0,14–25 mm² | Antriebstechnik, Schienenverkehr |
| IDC | Ja | Mittel | 0,14–1,5 mm² | Mehradrige Steuerleitungen, Reihenklemmen |
| SKEDD | Ja | Hoch | 0,14–1,5 mm² | Modulschnittstellen, lötfreie Steckverbinder |
Ein Wort noch zur häufigsten Fehlannahme: Feindrähtige Leiter ohne Aderendhülse lassen sich nicht in jeder Push-in-Klemme werkzeuglos einstecken — die meisten Hersteller verlangen hier einen Betätigungshebel oder Drücker. Wer im Layout schon Push-in festlegt, sollte mit dem Service-Team klären, ob Aderendhülsen vorgeschrieben sind oder ob die Klemme eine Direktsteckmöglichkeit für Litzen bietet. Sonst steht der Monteur im Schaltschrank mit dem falschen Werkzeug.
Normative Anforderungen: IEC 60947-7-4 und UL 1059 in der Praxis
Kaum eine Komponente wird so gerne „nach Gefühl" ausgewählt wie die Anschlussklemme — und kaum eine steht so klar in einem normativen Rahmen. Wir sollten uns die zwei wichtigsten Normen anschauen, weil sie das Layout direkt beeinflussen.
Die internationale Norm IEC 60947-7-4 (aktuelle Ausgabe 2019, 2. Edition) regelt Leiterplattenklemmen für Kupferleiter von 0,08 mm² bis 300 mm² Querschnitt und Bemessungsspannungen bis 1 000 V AC beziehungsweise 1 500 V DC. In der Praxis heißt das: Wenn wir oberhalb von 50 V AC arbeiten, müssen wir Luft- und Kriechstrecken, Verschmutzungsgrad und Überspannungskategorie nachweisen — und diese Werte sind in das Gehäuse der Klemme eingebaut. Der Footprint-Abstand zwischen den Polen ist also nicht beliebig, sondern wird durch die Klemme selbst vorgegeben.
Für den nordamerikanischen Markt ist die UL 1059 der Maßstab. Sie teilt Klemmen in sogenannte Use Groups ein, deren Anforderungen an Luft- und Kriechstrecken sowie an Spannungs- und Stromwerte je nach Einsatzfeld deutlich auseinanderlaufen — von der allgemeinen Industrieverdrahtung bis zu Anwendungen in der Energieverteilung. Eine Klemme, die in Europa problemlos passt, kann in den USA durchfallen, weil die passende Use Group nicht abgedeckt ist oder der Bemessungsstrom unter dem UL-Limit liegt. UL nennt hier maximal 200 A, IEC erlaubt bis 232 A und mehr. Auch die Spannungsgrenzen unterscheiden sich: UL 1059 sieht je nach Use Group 600 V oder 1 000 V vor, IEC 60947-7-4 geht mit 1 000 V AC beziehungsweise 1 500 V DC deutlich darüber hinaus.
In der Layout-Praxis bedeutet das: Wenn wir für den internationalen Markt entwickeln, sollten wir von Anfang an die Klemme mit Doppelzulassung (IEC + UL) und die passende Use Group auswählen. Wir sparen uns später eine komplette Layout-Runde, weil ein Polrastermaß plötzlich nicht mehr ausreicht. Achten Sie beim Routing darauf, dass die Anschluss-Pads genügend Abstand zu benachbarten Leiterbahnen und Kupferflächen halten — die Klemme gibt hier Mindestwerte vor, und der Lötstopplack allein reicht für die normativen Abstände nicht aus.
IEC und UL sind kein Compliance-Akt — sie bestimmen direkt, wie viel Kupfer wir unter die Klemme legen dürfen und wie viel Abstand wir halten müssen.
Montageverfahren: THT, SMT, THR und die SKEDD-Direktstecktechnik
Die Anschlusstechnik entscheidet, wie die Klemme auf der Leiterplatte landet. Hier trennt sich die Welt in vier Familien, und die Wahl hat erhebliche Konsequenzen für Footprint, Bestückung und Reflow-Profil.
THT (Through-Hole Technology) ist die klassische Variante mit Drahtanschlüssen, die durch die Leiterplatte gesteckt und auf der Unterseite verlötet werden. Die mechanische Haltekraft ist hoch, die Bestückung erfordert aber eine Wellenlötanlage oder Selektivlötanlage. Bei doppelseitiger Bestückung oder komplexen Steuerplatinen kann THT zum Engpass werden, weil die Durchkontaktierungen beidseitig bestückbar sein müssen und Wellenlötanlagen zunehmend aus den Linien verschwinden.
SMT (Surface Mount Technology) bringt die Klemme als oberflächenmontierbares Bauteil auf die Leiterplatte. Der Footprint wird wie bei einem IC oder einem diskreten Bauteil behandelt, die Lötung erfolgt im Reflow-Prozess bei 230 bis 260 °C. SMT-Klemmen brauchen allerdings zusätzliche mechanische Fixierung — etwa Schraubflansche, Rastnasen oder breitere Lötflächen auf beiden Seiten — sonst hält die Lötstelle den Steck- und Ziehkräften nicht dauerhaft stand.
THR (Through-Hole Reflow) ist der Mittelweg, den die Industrie in den letzten Jahren stark ausgebaut hat. Die Anschlussdrähte werden durchgesteckt, aber im Reflow-Prozess mitverlötet. Damit kombinieren wir die hohe mechanische Haltekraft von THT mit der automat